K_09: Warnung – Gesundheitsgefahr beim Konsum von E-Zigaretten und E-Shishas!

Gut gemeint (vielleicht), aber schlecht gemacht!

*** U P D A T E ***

Hohe Wellen hat eine Meldung der Polizei Mittelhessen bei Facebook (gesichert bei archive.org) geschlagen. Es handelte sich um eine Mitteilung zur polizeilichen Prävention, in der Kinder und Jugendliche, vor allem aber die Verantwortlichen (Eltern, Lehrer, sonstige Betreuer) darauf hingewiesen werden sollten, dass der Konsum sogenannter “Legal Highs” (die aufgrund eines neuen Gesetzes ohnehin nicht mehr “legal” sind) enorme Gesundheitsrisiken birgt. Es wurde auf Fälle hingewiesen, bei denen junge Menschen kollabierten, nachdem sie mittels E-Dampfgeräten (ugs. fälschlich als “E-Zigaretten” oder “E-Shishas” bezeichnet) Liquids inhalierten, denen solche Stoffe (ggf. auch ohne ihr Wissen) beigemengt wurden.

Diese Mitteilung zum Zwecke der Vorbeugung ist ausgesprochen sinnvoll und löblich, denn Aufgabe der Polizei ist es, Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung abzuwehren. Dies geschieht auch durch Aufklärung, Warnung und Sensibilisierung.

Leider sind den Verantwortlichen einige arge handwerkliche Fehler unterlaufen, die dringend einer Richtigstellung bedürfen.

Zum größten Lapsus, dem Titel des Artikelbildes, kommen wir erst am Ende. Jetzt erst einmal die anderen (auch nicht unbedeutenden) Fehler, die aufgetreten sind.


Als cool gelten E-Shishas und E-Zigaretten bei Kindern und Jugendlichen heutzutage.

Kontra!

E-Zigarette verführt Jugendliche nicht zum Rauchen

(https://web.archive.org/web/20161229163938/http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/suchtkrankheiten/article/922400/jugendliche-e-zigaretten-keine-einstiegsdroge.html) (gesichert bei archive.org)

Der Konsum von elektronischen Dampferzeugnissen (eDe) unter Jugendlichen (Universität Frankfurt)

Zitat Ärztezeitung:

Forscher mussten Studienteilnehmer erst zum Mitmachen überreden

Das Thema: die Prävalenz der E-Zigarette unter Jugendlichen. Normalerweise finden die Forscherinnen genug Teilnehmer für ihre Zielgruppen, doch anders als bisher stießen die beiden auf ein erhebliches Desinteresse der Jugendlichen, die sich überhaupt erst nach einer Zahlung von zehn Euro “Aufwandsentschädigung” pro Person zur Mitarbeit überreden ließen.

 


Ob als Flüssigprodukt, sogenannte Liquids, als Kräutermischungen, Pillen, Badesalze oder in anderer Form, die Stoffmischungen können gefährlich werden.

Kontra!

Es wurde nicht klargestellt, dass es sich bei den “problematischen” Liquids NICHT um handelsübliche Produkte aus dem normalen Verkauf handelt. Hier werden die zahlreichen seriösen Hersteller von Liquids auf der ganzen Welt quasi mit den Vertreibern illegaler Produkte in einen Topf geworfen.

Die außerdem aufgezählten Produkte, sind trockene Produkte, die ohnehin nicht mit einem E-Dampfgerät konsumiert werden können, sondern einen sogenannten Vaporizer erfordern.


Motto “passt auf was ihr raucht, wenn ihr die Folgen nicht abschätzen könnt”.

Kontra!

Rauchen ist die bewusste Inhalation von Rauch (Wikipedia: Rauch (auch Rauchgas oder umgangssprachlich Qualm) ist ein meist durch Verbrennungsprozesse entstehendes Aerosol in feinstverteilter (oft kolloidaler) Form aus Staubpartikeln (Glanzruß, Flugasche, Unverbranntes) und Nebeltröpfchen (Wasser, Öldämpfe, Säuredämpfe) in Abgas. Im engeren Sinn wird mit Rauch ein Gemisch aus einer festen in einer gasförmigen Phase bezeichnet. → Fest-Flüssig-Aerosol).

Ein E-Dampfgerät produziert hingegen Dampf (Wikipedia: Dampf bezeichnet in der Umgangssprache meist eine Beimischung der Luft, die dadurch sichtbar ist, dass der Stoff zum Teil in Gestalt kleinster Tröpfchen, also in flüssiger Form vorliegt. → Flüssig-Aerosol).

Eine Warnung vor einem Produkt macht es erforderlich, sich der korrekten Terminologie zu bedienen, weil ansonsten der Eindruck mangelnder Kompetenz entsteht.


Bei dem gewählten Bild handelt es sich um ein Symbolfoto (steht auch drauf) ohne jegliche Aussagekraft!

Kontra!

Warnt man vor gefährlichen Substanzen, erzielt man (auch in präventiver Hinsicht) die beste Wirkung mit einem Bild der gefährlichen Substanz (Erscheinungsformen sog. “Legal Highs”) und nicht mit einem einzigen möglichen Gerät, das den Konsum ermöglicht. Wird vor einem gefährlichen Messerstecher gewarnt, dann erfüllt lediglich ein Symbolbild eines scharfen Messers nicht den gewünschten Zweck. Ein Bild der Person wäre in dem Fall erfolgversprechender.

Lediglich durch illegale Beimengungen manipulierte Liquids können mit den dargestellten Geräten konsumiert werden. Der Großteil der sog. “Legal Highs” werden jedoch als Feststoffe vertrieben, die mit diesen Geräten nicht konsumiert werden können.

Die Auswahl der Motive hinterlässt hier einen ausgesprochen manipulativen Eindruck.


Titel des “Symbolfotos”: Warnung – Gesundheitsgefahr beim Konsum von E-Zigaretten und E-Shishas!

Kontra!

Eine Präventionsmeldung der Polizei ist kein Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel. Die Überschrift einer solchen Meldung ist keine “Schlagzeile” für solch einen Artikel. Dieses Feld sollte der Boulevardpresse überlassen bleiben. Die Schlagzeile einer Warnmeldung sollte die konkrete Gefahr kurz und prägnant benennen. Dies erwartet der Leser einer solchen Mitteilung.

Die gewählte “Schlagzeile” bringt zum Ausdruck, dass vom Konsum von E-Dampfgeräten eine Gesundheitsgefahr ausgeht. Viele Menschen lesen Artikel nach Kenntnisnahme der “Schlagzeile” nicht oder nicht vollständig. Im vorliegenden Fall bleibt beim Leser folgende Information hängen: “Der Konsum von E-Dampfgeräten ist gesundheitsschädlich… so gesundheitsschädlich, dass sogar schon die Polizei davor warnt.”

Damit ist das Ziel der Warnmeldung (Warnung vor sog. “Legal Highs”) verfehlt und wirkt ansonsten nur wie Propaganda (Absicht oder Versehen?).


Die Meldung wurde, nachdem etliche kritische Kommentare verfasst wurden, in einigen Teilen ergänzt. Die fachlichen Fehler blieben jedoch stehen und wurden nicht korrigiert.

Der Satz “Wir wollen diejenigen, die sich nicht so gut damit auskennen wie so manche Kommentatoren hier, auf mögliche gesundheitliche Folgen aufmerksam machen, Eltern und Jugendliche aufklären und sensibilisieren.” zeugt nicht von Einsicht, sondern qualifiziert die Leser der Warnmeldung ab. Aufklärung ist gut und wichtig, aber sie muss auf Fakten basieren und darf nicht durch Auslassungen oder Fehlinformationen vereinfacht werden. Sollte sich auch der Verfasser der Meldung mit der Materie nicht auskennen, so liegen hier handwerkliche Fehler vor, die entweder durch Beschulung (Recherche und Ermittlungstaktik ist erlernbar) oder durch ein Überdenken der Personalsteuerung zu vermeiden wären.


Sehr geehrter Herr Paul,

belegen Sie, dass beim (bestimmungsgemäßen) Konsum von E-Dampfgeräten (ugs. fälschlich als “E-Zigaretten” oder “E-Shishas” bezeichnet) nachweisbare Gesundheitsgefährdungen bestehen, die eine polizeiliche Warnung erforderlich machen.

Sollte Ihnen dies nicht möglich sein, erwarten wir, dass die Titelzeile der Meldung geändert wird und die tatsächliche Ursache der Gesundheitsgefährdung (Konsum von sog. “Legal Highs”) genannt wird.

Belegen Sie außerdem, dass Gesundheitsschädigungen nahezu ausschließlich oder zumindest übermäßig durch den Konsum sog. “Legal Highs” mittels E-Dampfgeräten aufgetreten sind. Erläutern Sie überdies, wie es möglich gewesen sein soll, sog. “Legal Highs” in Form von Feststoffen (übliche Erscheinungsform) mittels E-Dampfgeräts zu konsumieren.

Sollte Ihnen das nicht möglich sein, erwarten wir, dass der Text dahingehend ergänzt wird, dass die Konsummöglichkeiten von Feststoffen detailliert auch aufgezählt und davor gewarnt wird. Außerdem ist in diesem Fall das Artikelbild irreführend und manipulativ für die öffentliche Meinung. Wir fordern Sie auf, zu veranlassen, das Bild z. B. durch Symbolfotos der Darreichungsform von sog. “Legal Highs” auszutauschen.

Weiterhin belegen Sie, dass der Konsum von E-Dampfgeräten einen überdurchschnittlichen Reiz auf Kinder und Jugendliche ausübt.

Können Sie die o. g. Forschungsergebnisse des Frankfurter Instituts für Suchtforschung nicht widerlegen, fordern wir Sie auf, den Satz “Als cool gelten E-Shishas und E-Zigaretten bei Kindern und Jugendlichen heutzutage.” aus der Warnmeldung streichen zu lassen.

Wir empfehlen Ihnen außerdem, die Mitarbeiter der Präventions- und ÖA-Abteilung zu sensibilisieren, sich für Warnmeldungen bei Zeitlagen umgehend mit der Thematik zu befassen, um künftig inhaltliche Fehler, die geeignet sind, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, zu vermeiden.

Mit freundlichen Grüßen
Interessengemeinschaft ExRaucher

 

*** U P D A T E ***

Bereits am Fr., 30. Dezember 2016 nachmittags wurde der gesamte Post incl. aller Kommentare von der Polizei Mittelhessen auf Facebook gelöscht. Was der Anlass für das Entfernen der Meldung war, ist bislang nicht bekannt. Auf Facebook war es ja bereits wieder “still” geworden. Es wäre zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen die sachliche und konstruktive Kritik, die es auch gab, zu Herzen genommen und den Artikel mit den manipulativen Inhalten vorerst aus dem Netz genommen haben. Wir sind gespannt, ob nun in nächster Zeit eine konkrete Warnung vor dem Konsum der sog. “Legal Highs” veröffentlicht wird… denn die tut sicherlich not.